Sonntag, 22 November 2009

Die Kolumne (11): Einmal Hautkrebs, bitte!

Von Jim-Bob Nickschas

Ich habe noch nie verstanden, wie man sich guten Gewissens auf eine Sonnenbank legen kann – schlechten Gewissens übrigens auch nicht. Unabhängig von der Tatsache, dass man sich im Solarium wie eine Scheibe Weißbrot in einem Toaster fühlen muss, wüsste ich nicht, warum ich mich zum Besuch eines Sonnenstudios durchringen sollte

Auch wenn viele Sonnen(bank)anbeter das gerne behaupten: Es sieht hinterher einfach nicht natürlich aus! Das ist nun mal so. Punkt. Stellt mir hundert braungebrannte Menschen vor und ich sage euch, wer sich unter den künstlichen Grill gelegt hat und wer an den Strand. Mit der Nummer könnte ich wahrscheinlich bei „Wetten, dass …?“ auftreten.

Der Unterschied ist oft nur minimal, doch man bemerkt es trotzdem. Andererseits: Wem ist es heute schon noch peinlich zuzugeben, auf der Sonnenbank gewesen zu sein? Niemandem wahrscheinlich. Der Assitoaster gehört mittlerweile ja schon fast zum guten Ton, wenn man in der Wohlfühlgesellschaft ganz vorne mit dabei sein möchte.

Und doch gibt es diesen Konkurrenzkampf, meist unter den Frauen und Mädchen, getreu dem Motto: “Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat von Natur aus die braunste Haut im ganzen Land?“ Tja, wer sich da die Blöße geben will, übertreibt es gerne mit der Sonne aus der Steckdose. Und landet in der Rangordnung ganz weit hinten …

Außerdem: Sonnenbank macht krank! Das mag sich vielleicht etwas stiefmütterlich anhören, ist aber Tatsache. Eigentlich der beste Grund, sich den Gang zum Sonnenstudio zu sparen – es sei denn, man ist Fetischist und steht auf Hautkrankheiten. Die dauerhafte und wiederholte UV-Bestrahlung lässt unsere Haut erwiesenermaßen ganz schön alt und krank aussehen.

Dazu kommt das immense Krebsrisiko – die schnelle Bräune weicht dann unschönen Flecken, mit denen man sich gar nicht mehr an die Öffentlichkeit traut. Wer sich diese möglichen Folgen mal vor Augen hält, müsste mit ein bisschen Verstand eigentlich recht bald erkennen, dass es Gesünderes gibt als eine Dauerkarte fürs Solarium.

Zu guter Letzt: Sonnenbank ist mega-out! Zumindest für die jüngere Generation. Früher mag das Sonnenbaden unter Leuchtstoffröhren vielleicht ein Volkssport gewesen sein, doch heute trifft man in der Bräunungsanstalt hauptsächlich auf die Generation 50 plus.

Ich bin immer äußerst erstaunt, wenn ich im Schwimmbad oder am Strand auf diese braungebrannten Omis und Opas treffe, denen man die künstliche Vorbräunung an jedem Quadratzentimeter Haut ansehen kann. Über ihre Motive kann man nur Mutmaßungen anstellen, aber im Prinzip geht es immer um das Alter: Klar, wer will mit knapp fünfzig schon aussehen wie eine Leiche?
Dennoch frage ich mich dann immer, ob es in punkto Bräune keine natürlichen Grenzen gibt. Muss es denn immer die Sonnenbank sein? Und dann auch noch gleich soviel, bzw. so lange, dass die Hautfarbe mit der eines afrikanischen Ureinwohners konkurrieren könnte?

Nein danke! Da bleib ich doch lieber bei der echten Sonne. Die kommt mir nicht allzu nahe, kostet mich nichts und lässt meine Hautfarbe auf ganz natürliche Weise wechseln. Und im Winter, fragt ihr? Da bleib ich gerne käseweiß und warte auf den nächsten Sommer. Sieht unter den langen Pullovern doch eh niemand.

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