Samstag, 14 November 2009

Die Kolumne (10): Willkommen, Weihnachtszeit!

Von Jim-Bob Nickschas

Seit gefühlt einem Jahr hat die Industrie auf diesen Moment hingearbeitet, schon vor einigen Monaten wurde die Maschinerie in Gang gesetzt und jetzt endlich ist es so weit: Die Vorweihnachtszeit hat offiziell begonnen. Dabei habe ich den starken Eindruck, dass es den einen gar nicht schnell genug gehen konnte, die anderen aber durchaus gern noch eine Weile auf Weihachten gewartet hätten.

Es kam, wie es kommen musste. Es ist Mitte November und damit wird nun die heißeste Phase des Jahres eingeleitet. Zwar gilt das nicht für das derzeitige Wetter, wohl aber für den Krisengeschüttelten Einzelhandel. Schließlich steht bald das größte Fest des Jahres vor der Tür und da will man doch gerne vorbereitet sein: Weihnachten naht mit großen Schritten.

Was die Vorbereitung angeht, mache ich mir keine Sorgen. Die Weihnachtsindustrie hatte ein ganzes Jahr der Vorfreude, der Planung und der Kalkulation. Mal ganz abgesehen davon, dass man uns auch in diesem Jahr schon im Spätsommer auf das Fest der Feste einstimmen wollte, als Testlauf für die anstehenden letzten Wochen.

Das Problem war nur, dass wir uns mit der weihnachtlichen Vorfreude im August genauso wenig anstecken lassen wollten wie mit der Schweinegrippe. Sobald die erste Palette Dominosteine, Printen und Spekulatius im Supermarkt stand, flüchteten sich viele hinter die nächste Regalreihe oder richteten ihre Augen ignorierend starr nach vorn. Bloß keinen Blick auf dieses Weihnachtszeugs riskieren!

Das Phänomen dahinter erklärt sich wohl damit, dass wir in den kommenden sechs Wochen tagtäglich einer Hardcore-Weihnachtsmaschinerie ausgesetzt sind. Überall Girlanden aus Tannenzweigen, Lichterketten, Weihnachtsbäume, Weihnachtsmärkte, Weihnachtslieder, üppig dekorierte Schaufenster, Schokoweihnachtsmänner, Gebäck und Co allerorten.

Sicher genießen wir die Vorweihnachtszeit auch und lassen uns gerne von der allgemeinen Stimmung mitreißen, aber gerade weil wir dem Ganzen in diesen Tagen nicht entkommen können, haben wir außerhalb dieser sechs bis acht Wochen im Jahr nur sehr wenig Lust auf Weihnachten. Kein Wunder, dass sich die Kunden im Supermarkt im August entsetzt von den erwähnten Paletten mit Weihnachtsleckereien abwenden. Fast schon reflexartig treten sie die Flucht an – „Ist es denn schon wieder so weit?!“

Aber jetzt ist endlich Schluss mit dem heimlichen Plätzchenkauf, mit den in die normale Supermarkt-Playlist vorsichtig eingeschleusten Weihnachtshits, mit dem scheinheiligen Abklopfen der Wünsche unserer Liebsten: Ab sofort gibt’s wieder weihnachtlichen Hardcore! Wir ernähren uns nur noch ausschließlich von Dominosteinen, Zimtsternen und Spritzgebäck, wir gehen jeden Tag auf den Weihnachtsmarkt und trinken uns diesen Umstand mit jeder Menge Glühwein zurecht, im Supermarkt laufen rund um die Uhr nur noch Weihnachtslieder und ab sofort darf auch wieder offiziell gefragt werden: Und was wünscht du dir zu Weihnachten?

Ach, ist das schön! Als hätten wir nur darauf gewartet, werden jetzt auch die Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen mit weihnachtlicher Beleuchtung versehen und in den Schaufenstern der großen Kaufhäuser stehen wieder lebensgroße Playmobil-Figuren herum. Auch die Spendensammler sind pünktlich zur Saison wieder überall anzutreffen: Tierschutz, Kinderschutz, Polizeischutz – wer will, kann in diesen Tagen viel Gutes tun.

Weihnachtszeit, schönste Zeit! Das würden wohl viele Menschen unterschreiben. Aber wahrscheinlich nur, weil sie auch irgendwann wieder zu Ende geht. Bis zum nächsten Jahr, wenn es im Spätsommer wieder heißt: Willkommen, Schokonikolaus und Co – seid ihr auch schon wieder da?

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