Freitag, 11 September 2009
Interview: Der Tagebuchführer
Die Fragen stellte Jim-Bob Nickschas
Diary ist die aufstrebende Rap-Hoffnung aus Österreich. Wenn Mitte Oktober sein erstes Album veröffentlicht wird, können sich auch die deutschen Musikliebhaber freuen. Im mymercury.de-Interview spricht der junge Künstler über seine Karriere, seine Musik und seine Pläne.
mymercury.de: Wie bist du zur Musik gekommen?
Diary: Na ja, als Kind habe ich Keyboardspielen gelernt, mit mäßiger Begeisterung – heute kommt mir das jedoch sehr zu Gute. Als ich 15 war, habe ich angefangen, Texte zu schreiben. Zwei oder drei Jahre später habe ich dann auch meine Beats selbst produziert. Aber HipHop hat mich schon davor interessiert. Xzibits Single „X“ hat es mir angetan. Von da an war mir klar: Das ist es. Texte zu schreiben fühlt sich an, als würde ich ein Tagebuch führen.
Wie würdest du deine Musik/deinen Stil beschreiben?
Diary: Meine Musik ist Rap, Punkt. Nicht zu verwechseln mit Hip Hop – denn Hip Hop vereint die vier Elemente: MCing, DJing, Breaking und Graffiti. Davon handelt auch mein Song „Hip Hop Iz Back“, den ich mit A.Y. aufgenommen habe. Also prinzipiell gesehen mache ich nichts Besonderes. Der Grund, warum ich mich aber offensichtlich dennoch so stark vom vorherrschenden Standard abhebe, ist der Stil, den du ansprichst. Es gibt eben nur eine Handvoll Leute in Österreich, die AE (American English) rappen. Und es gibt keinen, der das auch noch in einem weißen Anzug tut – außer mir… Also ich bin wohl ziemlich auffällig (lacht).
Wovon handeln deine Lieder?
Diary: Ich schreibe über mich und mein Leben, über persönliche Dinge, die ich erlebt habe – oder noch erleben will. Auf „Ink 2 Paper“ erzähle ich beispielsweise von meiner Schulzeit. Es gibt einen Song über die Jagd nach dem großen Geld und ein ganz klares Statement gegen Rassismus/Ausländerfeindlichkeit. Meine Musik ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich, typische Battle-Tracks mache ich so gut wie nie. Ich will weg von all den negativen Klischees, die im Hip Hop vorherrschen.
Für wen ist deine Musik gedacht?
Diary: Für alle, die sich noch an die besseren Tage des Rap erinnern. „Back to the Roots“, aber trotzdem innovativ und ohne jegliches Gangster-Gehabe. Das wissen die Leute zu schätzen. Und es ist immer wieder schön zu sehen, dass nicht nur eingefleischte Hip-Hop-Fans meine Musik hören. Das zeigt, die Sache ist auf dem richtigen Weg.
Möchtest du mit deinen Songs eine bestimmte Wirkung erzielen, dem Hörer etwas mitteilen?
Diary: Ich möchte die Menschen zum Nachdenken anregen. Ein Lied alleine kann die Welt nicht verändern, aber mit Songs wie „Can We Get Along?“ oder „Life Is too Short“ will ich natürlich schon etwas bewirken. Rap bedeutet vielen Menschen mehr, als sich der Nicht-Fan überhaupt vorstellen kann. Ich bin kein Prediger, ich bin Musiker. Aber wenn ich auch nur einen einzigen Zuhörer dazu bewegen kann, in seiner noch so aussichtlosen Lage eben nicht aufzugeben, dann ist es die Mühe wert.
Was ist dir bei der Musik besonders wichtig, was macht (gute) Musik aus?
Diary: Mir ist besonders wichtig, dass ich mir selbst treu bleiben. „Lyrics straight from the heart on bangin’ beats“ – dafür steht Diary. Das heißt nicht, dass es schlecht ist, mal eine lustige Geschichte zu erzählen oder sich mit einem Thema zu beschäftigen, das einen einfach interessiert – auch, wenn man selbst gar nichts damit zu tun hat. Solange man dabei ehrlich bleibt, ist es okay. Das macht gute Musik für mich aus: Aufrichtigkeit, eine straighte Einstellung, ein Konzept, das man bis zum Ende durchzieht.
Wie lange hast du an deinem Album gearbeitet und wie hast du den Entstehungsprozess erlebt?
Diary: Insgesamt sind fast anderthalb Jahre vergangen, bis „Ink 2 Paper“ fertig war. Die eigentliche Produktion – aufnehmen, mischen und mastern – hat aber nur zwei Monate gedauert. Ich mache die Beats und schreibe die Texte im kleinen Home-Studio. Dafür nehme ich mir viel Zeit. Erst, wenn wirklich alles fertig ist, nehme ich das ganze Paket und fahre zum Aufnehmen ins große Studio. Bei den Arbeiten am Album durfte ich mit erfahrenen Studio-Musikern und bekannten österreichischen Künstlern wie BIG J, Johnny Draztic, Mista Kopi, Big Rob und Johnny K Palmer arbeiten. Das war schon eine tolle Zeit, die mich auf jeden Fall geprägt hat.
Und wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Diary: Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Schon Anfang Oktober kommt meine Debüt-Single „The Paper Chase“. Und am 23. Oktober wird dann endlich das lang erwartete Album veröffentlicht: „Ink 2 Paper“ kommt in die Download-Stores. Genau eine Woche danach, am 30. Oktober 2009 (Freitag, 21:00 Uhr) findet noch die offizielle „Ink 2 Paper“ Album-Release-Party im Jugendzentrum Erdberg in Wien statt – danach brauche ich wohl dringend Urlaub (lacht).
Diarys Album „Ink 2 Paper“ auf dem Plattenteller
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