Dienstag, 15 Dezember 2009

Plattenteller: Puddle of Mudds „Vol. 4: Songs in the Key of Love and Hate“

Von Paula Konersmann

Wer den amerikanischen Musikmarkt nicht verfolgt, könnte Puddle of Mudd für ein One-Hit-Wonder halten. Nach den Hits „Blurry“ und „She Hates Me“ (2002) wurde es hierzulande ruhig um die Post-Grunge-Band aus Kansas. In ihrer Heimat sind Puddle of Mudd jedoch erfolgreicher denn je und haben soeben ihr viertes Studioalbum veröffentlicht. Folgerichtig lautet der Titel: „Vol. 4: Songs in the Key of Love and Hate“.

Der zweite Teil dieses Namens ist Programm; die verschiedenen Tonarten von Liebe und Hass bilden die zentralen Themen des Albums. Als „edgy“ hatten die Musiker ihr neustes Werk beschrieben, kantiger und härter als die Vorgänger. Das passt auf den ersten Blick besonders zu den düsterer besetzten Tonarten, welche tatsächlich die stärksten der CD sind, der Opener „Stoned“ ebenso wie das punkige „Uno Mas“. Hier kommen ungewöhnliche Arrangements ebenso zur Geltung wie die kehlige Stimmfarbe von Sänger Wes Scantlin.

Außergewöhnliche Wirkung entfalten die Lieder aber vor allem durch ihre Texte, und hier zeigt sich einmal mehr, dass die Wahrheit in der Grauzone zwischen Hass und Liebe liegt. Beschrieben wird diese Zerrissenheit in Songs wie „Out of My Way“. Andererseits gehören Balladen heute auch für Rockgruppen zum Repertoire, und davon finden sich hier gleich mehrere. Allerdings hätte eine weniger sicher nicht geschadet. Dass sie seichte Schnulzen wie „The Only Reason“ nicht nötig haben, beweisen Puddle of Mudd schließlich selbst: „Better Place“ ist qualitativ überzeugender; origineller und gehaltvoller als der Mainstream-Lovesong.



Dafür kann sich der Hörer umso mehr an Selbstironie und pubertärem Humor erfreuen, etwa in „Hooky“ (zu deutsch: blaumachen) oder der vorab ausgekoppelten Single „Spaceship“. Außerdem werden selbst abgenutzte Textzeilen aufs Neue hörenswert, wenn Wes Scantlin sie intoniert, umschmeichelt von sanften Country-Gitarren – beispielsweise in „Keep It Together“, in dem es heißt: „Everytime I think of you /
After all that we’ve been through / No one ever compares to you.“

Das meinen Puddle-of-Mudd-Fans auch über ihre Lieblingsband – nicht zu Unrecht, denn die Amerikaner haben tatsächlich einen unverwechselbaren Stil ausgebildet, ohne sich zu weit von ihren Vorbildern Limp Bizkit oder Nirvana zu entfernen. Das neue Album mit seinen vielfältigen Tonarten hätte den Erfolg also auch in Europa verdient.

Fotos: Universal

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