Montag, 01 Februar 2010

Pop: Stanfours Album „Rise and Fall“

Von Benedikt Vallendar

Alles begann auf Föhr: Die Band Stanfour ist in den USA noch erfolgreicher als in Deutschland.

Vor ihnen hatte es nur Nena als erste deutsche Interpretin mit dem Politsong „99 Luftballons“ in die US-Charts geschafft. Das war 1983, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Vier junge Musiker aus Norddeutschland haben jetzt nachgezogen. Mit ihrem aktuellen Titel „Wishing You Well“ ist die deutsche Popformation Stanfour mittlerweile auch auf dem amerikanischen Musikmarkt erfolgreich. Die Band um die Brüder Konstantin und Alexander Rethwisch wurde 2004 auf der zu Schleswig-Holstein gehörenden Nordseeinsel Föhr gegründet. In der Zurückgezogenheit einer von Ackerbau, Schafhaltung und Ökotourismus geprägten Landschaft entstehen seit sechs Jahren Klänge made in Germany, die in Radiostationen rund um den Globus zu hören sind.

Zuvor hatten die Geschwister Rethwisch als freie Musiker in Los Angeles gearbeitet und in dieser Zeit Kontakte zu Produzenten und Textern geknüpft. Vor acht Jahren kehrten sie in die Bundesrepublik zurück und machten sich sogleich erfolgreich ans Werk. Ihr großer Hit „For All Lovers“ von 2007 hielt sich 18 Wochen in den Top 20 der deutschen Charts. Stanfour tourte mit den Backstreet Boys und Bryan Adams durch Europa. Aus diesen Erfahrungen heraus haben sich die Musiker neu aufgestellt, die Band wurde um mehrere Mitglieder erweitert. „Wir wollen Musik machen, die live so klingt wie auf der Platte“, sagt Keyboarder Eike Lüchow. „Wir wollen, dass die Leute einen tollen Konzertabend mit einem guten Sound haben“, sagt er.

Seit ihrer frühesten Kindheit musizieren die beiden Brüder. „Unsere Mutter ist Gymnasiallehrerin für Musik und hat immer eigene Projekte angestoßen, Musicals zum Beispiel“, erzählt Alexander. Ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten sie mit zehn Jahren im Schulchor.

Alexander, der Ältere der beiden, ging 1998 im Anschluss an seinen Zivildienst nach Los Angeles, um dort in einem Studio für Filmmusik zu arbeiten, Konstantin folgte ihm bald in die USA. Um seinen Popmusik-Traum zu leben, brach er sogar die Schule ab. Eike Lüchow und Christian Lidsba, die andere Hälfte von Stanfour, lernten die Brüder Rethwisch nach deren Rückkehr aus den USA bei einem Wochenende auf Föhr kennen. Inzwischen lebt die Band in Hamburg, aber die einsame Insel bleibt ihre Inspirationsquelle.

Beim ersten Album „Wild Life“ arbeiteten sie noch mit anderen Produzenten und Toningenieuren zusammen, das Album „Rise and Fall“ haben sie vollständig allein geschrieben, eingespielt und produziert. „Das war anstrengend, besonders, weil wir unter großem Zeitdruck standen“, fügt Bandkollege und Gitarrist Christian Lidsba hinzu. „Wir haben gemerkt, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Aber am Ende war es für uns eine gute Erfahrung“, sagt er.

Ein Resultat der neuen Freiheit: „Rise & Fall“ ist elektronischer geworden, poppiger und tanzbarer als das Vorgängeralbum, das geprägt war von schweren und melancholischen Balladen. Ganz gewichen ist die Wehmut jedoch nicht. Die Single „Wishing You Well“ beschreibt einen Abschied, der schmerzt, aber nicht zutiefst verletzt.

„Inspirierend waren die letzten zwei Jahre“, sagt Eike Lüchow. Von den schmerzhaften Beziehungserfahrungen dieser Zeit haben sie künstlerisch profitiert. „Unsere Songs sind ein Mix aus Erleben und Dichtung“, sagt Christian Lidsba. „Wishing You Well“ ist eine gefühlsgetränkte Hymne über Verlust und Trennungen, aber auch über Mut und Weitermachen und die Momente, die wirklich wichtig sind im Leben.

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© Fotos: Universal

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