Freitag, 23 Oktober 2009

Blog: Glaubensgespräch – mitten auf der Buchmesse

Von Nathanael Liminski

Auf der Frankfurter Buchmesse trifft man viele interessante Menschen. Ich hatte das Vergnügen, gleich mit einigen Personen eines ganz besonderen Schlags zusammen zu kommen. Mit dem Videoblogger Matthias Matussek, dem Fernsehmacher Martin Rothweiler und dem Medienpater Karl Wallner saßen drei große Kaliber beieinander. Ihr kurzes, aber tiefgehendes Gespräch durfte ich moderieren.

Gemeinsam stellten wir die Biographie der Gründerin des weltweit größten religiösen Fernsehsenders, EWTN, vor. In diesem New-York-Times-Bestseller, der nun im Media Maria-Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, erzählt der Journalist Raymond Aroyo die Geschichte von Mother Angelica, einer Nonne, die aus ärmlichen Verhältnissen kommend ein großes Lebenswerk vollbracht hat. Der Titel „Mutter Angelica – eine Nonne schreibt Fernsehgeschichte“ ist daher nicht ganz unangebracht.

Es gibt wahrscheinlich nicht allzu viele Dinge, vor denen ein SPIEGEL-Journalist und fünfzehnfacher Buchautor wie Matthias Matussek so schnell Respekt hat. Doch vor dem Werk der hartnäckigen Gottesfrau verneigte auch er sich – und wünschte sich Nachahmer auch für den deutschen Raum. Doch wies der prominente Medienmacher darauf hin, dass „unsere deutsche Gesellschaft durch und durch säkularisiert“ sei und damit das Terrain für mutige Unternehmungen, wie sie ein durch private Spenden finanzierter religiöser Fernsehsender darstelle, ungleich unwegsamer sei.



Um zu zeigen, dass der Versuch nicht ausgelassen werden sollte, saß Martin Rothweiler mit auf dem Podium.
Er ist der Geschäftsführer des deutschen Programms von EWTN und stellt so etwas wie die deutsche Inkarnation von Mother Angelica in männlicher Form dar. Dass Matussek ihm eine düstere Prognose für sein Vorhaben eines vollständigen deutschen Programms prophezeite, schien diesen Mann nicht wirklich aus der Ruhe zu bringen. Er brenne eben für den Glauben und rette dann auch über das eine oder andere Opfer in finanzieller oder familiärer Hinsicht hinweg.

So viel Glaubenseifer erlebt Pater Karl Wallner an seiner Seite wohl auch nicht oft. Jedenfalls war ihm der Respekt ins Gesicht geschrieben. Dabei ist er selbst nicht weniger als Reisender im Auftrag des Herrn unterwegs. Buchautor, Jugendseelsorger, Talkshowgast, Vortragsreferent in einem, scheint nur eines für ihn schwierig: Sein Leben als klausurierter Zisterzienser im Stift Heiligenkreuz, dessen Hochschule erst 2007 von Papst Benedikt XVI. zu einer Päpstlichen Hochschule gemacht worden ist. Bei allem Trubel scheint Wallner ein Mann des Gebets geblieben zu sein.

Der Glaube der drei sorgte nicht dafür, dass die düsteren Aussichten vom Beginn in Silberstreifen am Horizont wurden. Er wirkte eher wie ein Licht, das man in die Hand gegeben bekam, um in die Finsternis einer zunehmend gottloser werdenden Gesellschaft hinauszuziehen. Es ist schon erstaunlich, was man manchmal erleben darf. Etwa ein Glaubensgespräch – mitten auf der Buchmesse.

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