Donnerstag, 03 Dezember 2009

Blog: Mexican Wedding (II)

Von Nathanael Liminski

Wenn bei einer Feier die Gästezahl dreistellig wird, kommen die Gastgeber nicht selten ins Schwitzen. In Mexiko ist das auch so: Bei Hochzeiten darf es auch mal vierstellig sein.

Über 600 geladene Gäste in der ganzen Welt, 350 Zusagen auch aus der ganzen Welt: Das ist die Gästeliste nicht etwa zum Inaugurationsball des amerikanischen Präsidenten, sondern eine typische Aufstellung für eine Trauung in der Schicht der oberen Zehntausend in einem Land wie Mexiko. Einer davon durfte am vergangenen Wochenende ich sein.

Die Hochzeitsmesse sollte gleichermaßen von einem deutschen und mexikanischen Weihbischof gefeiert werden. Krankheitsbedingt musste der deutsche Mitbruder absagen. International war die Messfeier trotzdem, wovon nicht zuletzt die mehrsprachigen Liedhefte zeugten. Sie erinnerten an Pilgerbesuche in Rom oder Auslandsreisen des Papstes.

Nach der Trauung in der Kathedrale von Guernavaca etwa 100 Kilometer südlich von Mexiko City ging es zur Feier in einen Garten, natürlich in einem von Sicherheitszäunen und Wachkräften abgeriegelten Areal der Drei-Millionen-Metropole. Der Anblick, der sich dort bot, ließ einen die Augen reiben, ob man sich nicht vielleicht doch in einem Film befinde: Ein riesiger weißer Baldachin überdachte die hölzern ausgelegte Tanzfläche und die fein gedeckten Tische.

Nach der Anmeldung am Einlass-Counter wusste man auch, an welchen Tischen man Platz nehmen durfte. Gereicht wurden nicht nur beste Weine, sondern auch feinste Speisen. Dass da die beste Freundin heiratet, kann man unter diesen Umständen nur schwer glauben. Am Tisch des Hochzeitspaars hatten die zwei großen Familien Platz genommen, die Damen in Abendkleid, sämtliche Herren im Stresemann-Anzug, stilecht eben.

Was dann kam, war für die mexikanischen Gastgeber sichtbar ungewohnt: Die Brüder der Braut, allesamt musikalisch begabt, hatten ein Lied gedichtet, dass sie mit Unterstützung der Technik vortrugen. Die Rede des Brautvaters war nicht nur inhaltlich hervorragend, sondern bestach nicht zuletzt durch ihre Dreisprachigkeit.

Nach dem Essen wurde der Tanz traditionell durch das Brautpaar eröffnet. Schnell war die Tanzfläche voll und das bereits um 18 Uhr nachmittags. Getanzt wurde bis 2 Uhr nachts, ohne Unterbrechung. Einzige Pause für die Füße stellte eine Einlage dar, die sich die deutschen Freunde der Braut nicht haben nehmen lassen. Ausgerüstet mit Sombreros, Instrumenten und entsprechender Vorbereitung zogen wir als Mariachis ein, eine Art Band, die in Mexiko vor allem an Hochzeiten zum Einsatz kommt.

Der Bräutigam dokumentiert mit ihrer Bestellung und ihrem Gesang seine Liebe gegenüber der Braut. Wir waren weder angekündigt noch bestellt, dennoch scheinbar nicht weniger willkommen: Unser Cielito Lindo grölte bereits nach den ersten Takten die versammelte Masse der Gäste. Weniger Unterstützung hatten wir bei unserer obligatorischen deutschen Einlage: Den Tanz zu „Komm, hol das Lasso raus“ konnten neben den Matadoren auf der Bühne nur einige der angereisten deutschen Gäste. Der Jubel unter den Mexikanern war umso größer, ebenso nach jedem „Ole!“- und „Tequila“-Ruf der Band.

Die Nacht wurde noch lang. Zurück bleibt die Erinnerung an eine Traumhochzeit. So ist das also, wenn man eine big fat Mexican wedding feiert. Nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Verpflichtungen als deutsche Mariachis für kommende Hochzeitsfeiern sagen wir: Mexiko, wir kommen wieder.

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