Mittwoch, 25 November 2009
Blog: Mexican Wedding
Von Nathanael Liminski
Natürlich ist man dabei, wenn die beste Freundin heiratet. Eine Hochzeit in Mexiko gerät dabei zur Reise in eine andere Kultur. „Wir würden uns sehr freuen, Dich an diesem so wichtigen Tag unter unseren Gästen zu wissen.“ So oder so ähnlich lesen sich Hochzeitseinladungen. Wenn nichts im Wege steht, sagt man zu.
Wenn eine gute Freundin oder ein guter Freund heiraten, darf einfach nichts im Wege stehen. So habe ich es auch gesehen, als ich zu Beginn des Jahres zur Hochzeit einer guten Freundin zusagte und einige Monate später den Flug buchte. Da ihr Mann fürs Leben angestammter Mexikaner ist und ihr zukünftiger Lebensmittelpunkt wohl auch eher am Golf von Mexiko als an der Nordsee liegen wird, finden Trauung und Feierlichkeiten in diesen Tagen hier in Mexiko City statt.
Ich bin nun schon seit einigen Tagen hier und muss immer öfter an all die Gespräche über „die unterschiedlichen Kulturen“ denken. Bereits bei der zivilen Trauung waren die Unterschiede in Lebenshaltung, Lebensführung und Lebensplanung nur für Blinde zu übersehen: Während dieser formelle Akt vor dem Standesbeamten in Deutschland eine entsprechende Zeremonie auf dem städtischen Standesamt erfährt, kommt der Standesbeamte in Mexiko City zum Paar nach Hause – das ist sicherer, wenn man betuchter ist.
„Nach Hause“, das bedeutet ein Haus ähnlich einer Villa mitten in einem hermetisch abgeriegelten Sicherheitsbereich. Bevor man anfängt, auf die Reiche zu schimpfen, sollte man einmal mit einer Einkaufstüte durch eines der nicht gesicherten Viertel spazieren – vieles sieht man dann anders. Ist bei deutschen Paaren heutzutage am Tag der zivilen Eheschließung bereits der große Moment gekommen, spricht hier in Mexiko alles nur von der „eigentlichen Hochzeit“ vor dem Altar.
Wünscht man zwischen Hamburg und München dem Paar alles Gute und viele schöne Stunden in trauter Zweisamkeit, freut man sich in Mittelamerika auf die hoffentlich bald zu erwartenden Kinder und Enkel. Vor dem hohen Standesbeamten des deutschen Amtswesens reicht die Unterschrift der beiden Ehepartner. Hier in Mexiko gehört der Fingerabdruck dazu – und erinnert an all diejenigen Heiratswilligen im Land, die noch nicht lesen oder schreiben können. Bei der anschließenden Party findet man die unterschiedlich stark ausgeprägte Wirkung von mexikanischem Tequila und deutschem Bier schnell heraus – um sie spätestens am nächsten Morgen zu verdammen.
Zwischen ziviler und kirchlicher Trauung liegt auf meiner Reise eine Woche voll Sightseeing und Kulturerfahrung in einem Land, das stolz ist auf seine Vergangenheit als stehe die Wiege der Menschheit in Acapulco. Flaggen so groß wie ein Fußballfeld und Klänge nationalen Musikguts an jeder Straßenecke sind da nur die sichtbarsten Zeichen.
Mexiko ist ein Land im Aufwind. Ganze Stadtbezirke voller Hochhäuser schießen binnen einem Jahrzehnt aus dem Boden. Die aktuelle Regierung kam friedlich zustande, nachdem das Land zuvor über 70 Jahre von ein- und derselben Partei regiert wurde. Der neue Präsident Calderon hat den Drogenbanden den Krieg erklärt und damit das drängendste Problem des Landes in Angriff genommen.
Aber vielleicht sehe ich das alles nur so positiv, weil ich im Haus einer Abgeordneten eben jener neuen Regierungspartei des Präsidenten zu Gast bin. Doch was ich hier erlebe, überzeugt: Echte, unkomplizierte und überaus großzügige Gastfreundschaft. Die fällt sicher einfacher, wenn man für so ziemlich alles im Haus eine zuständige Bedienstete anweisen kann.
Davon als Gast Gebrauch zu machen, will nicht so recht von der Zunge gehen. Den Orangensaft presst man sich dann doch lieber selbst und die Wäsche kann man auch noch zuhause waschen. Zwischen eben jenem Zuhause und Mexiko liegen nur 13 Stunden Flug – und doch sind es 13 Stunden auf dem Weg in eine völlig andere Kultur. Mal sehen, ob die kommende big fat mexican wedding hält, was die ersten Tage in diesem Land versprechen.
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