Samstag, 13 Februar 2010

Warenkunde: Multimedia für die Nase

Von Angelika Luderschmidt

Pink, mit Glitzersteinen oder Gravur – was früher das Armkettchen war, ist heute das Handy. Oder der Laptop. Vorbei die Zeit der unifarbenen, oft klobigen Gebrauchsgegenstände. Heute gilt: Wer schick und trotzdem ein bisschen öko sein will, kauft sich einen Laptop im Bambusgehäuse oder mit trendigem Lederüberzug.

Und ist das Notebook dann kaputt, kann man es getrost in die Biotonne kloppen. Dass Ressourcen für die Dekoration von Gebrauchsgegenständen verwendet werden – Schwamm drüber!

Wer sich aber von der grauen Masse abheben möchte, greift zur Sonderedition, die Tiefe des Portemonnaies ergründet der stilbewusste Käufer zugleich mit. Für den kleinen Geldbeutel gibt es ebenfalls die passenden Accessoires: bunte Aufkleber für die aufklappbare Außenseite. Die bitte schön ganz individuelle Haut ist in unzähligen Farben, Motiven und Mustern erhältlich. Die neueste Erfindung des geschäftstüchtigen taiwanischen Herstellers Asus trägt den recht uninspirierten Namen F6V. Dahinter versteckt sich der weltweit erste duftende Laptop. Das schwarze Modell mit bunter Graffiti sieht nicht nur verspielt aus, sondern riecht auch nach Moschus; als femininer Gegenpart verströmt das rosafarbene Notebook in Blütenoptik ein blumiges Aroma; die grüne Variante mit Kreisen und Kringeln symbolisiert: gleich riecht’s nach Gras; die blaue samt Strahlen und Luftblasen wartet mit einer sanften Meeresbrise auf. Wer trendbewusst sein will, blättert für das 14 Zoll große Multifunktionsgerät gern – je nach Ausstattung – zwischen 1200 und 1500 Euro hin.

Ein sinnliches Erlebnis soll die Arbeit ab jetzt werden. Noch dazu bessert sich das Klima im Büro, Aromakerzen und Raumspray landen im Mülleimer. Statt dem Sitznachbarn in der Bahn oder in der Bibliothek riecht nun das eigene Arbeitsgerät. Natur pur, wenn auch synthetisch und in Wirklichkeit so dezent, dass man die Nase ganz nahe an die Lüftung halten muss, um zu erahnen, wofür man da bezahlt hat.

Hat die Nase den dezenten Geruch eingefangen, erinnert er ein wenig an die eigene Kindheit. Mit viel Phantasie sind es bunte Sommerblumen, mit einer Portion Alltagssinn erschnuppert das geübte Geruchsorgan eine ganz bestimmte Sorte Kaugummi, mit der man so schöne große Blasen machen konnte und die schon früher eine fatale geruchliche Ähnlichkeit mit Muttis Putzutensilien hatte.

Der künstliche Duft entfaltet sich, sobald sich die Lüftung einschaltet. Die Dauer hängt laut Hersteller von der Nutzungsfrequenz ab. Es kann also sein, dass aus dem olfaktorischen Wundergerät schon nach kurzer Zeit wieder ein stinknormales Notebook wird. Ein Computer eben, der weder üblen Zigarettenqualm noch penetrante Schweißfüße übertünchen kann. Doch auch hier hilft das Asus-Prinzip: Lüften. Das ist kostenlos, und einen Eindruck, wie sich die echte Natur anfühlt und anriecht, gibt’s gratis obendrauf.

Dieser Beitrag ist im Rheinischer Merkur erschienen. Du kannst den RM vier Wochen lang kostenlos testen – und musst nicht einmal kündigen: Jetzt probelesen!

Foto: Asus

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