Dienstag, 09 März 2010

Warenkunde: Vorsicht, Stift hört mit!

Von Angelika Luderschmidt

Schwerstbegabt: Optisch unterscheidet sich der smarte Kuli kaum von seinen normalen Kollegen. Das Gewicht verrät, dass mehr als eine Mine in ihm steckt.

James Bond würde sich freuen. Denn die Tarnung des „Smartpen“ ist perfekt. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein klobiger Kugelschreiber. Doch der dunkle Stift hat seinen Namen nicht von ungefähr. In ihm steckt ein kleiner Computer. Sieht man genauer hin, ist statt eines Schriftzugs eine digitale Anzeige zu erkennen, die in die Aluminiumhülle eingebaut ist. Aufnehmen, Abspielen, Aufzeichnungen auf den Computer ziehen – alles kein Problem für das kleine Gerät.

Wer beim Mitschreiben in der Uni oder Konferenz nicht mehr nachkommt, zieht den Smartpen aus der Tasche. Der merkt sich nicht nur alles, was geschrieben und währenddessen gesagt wird. Das handliche Diktier- und digitale Kopiergerät kann die gespeicherten Notizen dank USB-Anschluss am Computer in PDF-Dateien umwandeln. Stichworte notieren reicht, auch die Stimme des Wortführers ist an die jeweiligen Buchstaben gekoppelt und somit mit archiviert. Über den integrierten Lautsprecher kann die passende Aufnahme durch langsames Führen des Smartpen über ein Wort abgespielt werden.

150 Euro kostet die billigere Zwei-Gigabyte-Ausgabe der US-Firma Livescribe. Ab 180 Euro gibt’s das Doppelte an Speicherplatz. Bis zu 150 Stunden kann der Stift aufnehmen, vorausgesetzt, der Akku hält durch. Möglich macht die gestochen scharfe Kopie eine Infrarotkamera, die über der Schreibmine in der Stiftspitze eingebaut ist.

Das elektronische Abpausen von Wörtern, Tabellen oder Zeichnungen funktioniert allerdings nur auf speziellem Papier. Und auch das ist nicht gerade ein Schnäppchen. Schließlich müssen die mitteldünnen, nicht dem heimischen Format und Lochmuster entsprechenden Notizblöcke à sechs Euro aus den USA importiert werden. Auf das Deluxe-Papier sind viele kleine, für das Auge fast unsichtbare Punkte gedruckt, die der Kamera als Orientierung dienen. Sobald der Stift mit dem Computer verbunden ist, werden die Daten übertragen. Auf dem Bildschirm erscheint dann das Papier samt Aufnahme. Zur Aktivierung der Audiofunktion gibt es am unteren Papierrand diverse grafische Bedienelemente wie Play- und Stopptaste. So kann mit einem Antippen der Buttons die Aufnahme beispielsweise beendet oder ein Lesezeichen gesetzt werden.

Schmierfinken können sich zumindest die Suchfunktion beim Smartpen sparen; die Stichwortsuche versagt, ist die Schrift allzu unleserlich. 007 kann’s egal sein. Für den Schreibkram hat er seine ganz eigene Spezialwaffe: Miss Moneypenny.

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