1 2 3 4 5 6 7 8 
 

Melt!

Melt!
Copyright: Lena Werle

Pensionierte Bohrer und Bagger in gigantischen Ex-Zechen: Was dem Ruhrgebiet schon seit Jahren als kulturelles Ausweichmanöver in industrieromantischer Atmosphäre dient, das wissen auch die Veranstalter des „Melt!“-Festivals (18.-20. Juli) für sich zu nutzen. An die 30 Meter strecken die kolossalen Kräne des ehemaligen Braunkohletagebaus ihre rostigen Streben in die Höhe, während sich zu ihren Füßen die betonierten Flächen der Halbinsel Ferropolis, der „Stadt aus Eisen“, mitten im hauseigenen Baggersee erstrecken. Irgendwo im Nirgendwo Sachsen-Anhalts, in der Nähe von Dessau, liegt diese imposante Kulisse. Ein musikalisches Mekka, in dem Rock auf Elektro trifft, mit diesem fusioniert, oszilliert oder friedlich auf fünf Bühnen koexistiert. Galt das „Melt!“ bisher neben seinen europäischen Äquivalenten „Primavera Sound“ in Spanien oder „Roskilde“ in Dänemark als avantgardistischer Geheimtipp, hatten die Veranstalter des gemäßigten „15.000ers“ dieses Jahr dank ausgiebigster Promotion ein Plus von 5.000 Festivalbesuchern zu verzeichnen. Ein unerwarteter Wachstumsschub, der natürlich mit Veränderungen und Anpassungen einhergehen musste und das „Melt!“ fast aus den organisatorischen Kinderschuhen hebelte. Bändchentausch, Einlasskontrollen und der Fan-Ansturm auf zu große Acts auf zu kleinen Bühnen (wie bei The Whitest Boy Alive) trieben die Security und die Absperrzäune an ihre Grenzen und darüber hinaus.

BjörkFerropolisFranz FerdinandMelt!