Sonntag, 05 Juli 2009

Reisen: Urlaub mit den Eltern

Von Sophia Poppensieker

Es ist ein Rätsel, wie Eltern das immer wieder schaffen. Seit dem fortgeschrittenen Grundschulalter hat man vom Urlaub ohne die Eltern geträumt. Aus Ponyhof-Abenteuern auf dem Heuboden wurden Ferienhäuser von Freunden, aus Jugendreisen wurden dann Fahrten, bei denen man sich seinen Tagesablauf selbst zusammenstellen konnte. Und dennoch setzt sich hartnäckig eine Tradition fort: Urlaub mit den Eltern!

Der Urlaub mit den Eltern hat ja auch seine klaren Vorteile. Sie planen, sie buchen, sie zahlen und sie erinnern dich daran, die Zahnbürste und das Handtuch einzupacken, was du ohne sie höchstwahrscheinlich glatt vergessen hättest.

Statt Mehrbettzimmer gibt es Halbpension. Dafür nimmt man die gut gemeinten Ratschläge wie „Pack dir doch ein Brötchen ein, es dauert noch, bis es Mittagessen gibt“, „Du kannst jetzt noch nicht in den Pool gehen“ oder „Die Sonnencreme muss doch erst einwirken“ zähneknirschend in Kauf.

Es werden Alkoholverbote für den Wein zum Essen ausgesprochen und die Weckzeiten auf 6:30 Uhr gelegt, die je nach Lage der Unterkunft persönlich oder durch das Hoteltelefon durchgegeben werden. Unter Palmen wird nach eigenen Zukunftsplänen gefragt und die Umgestaltung des elterlichen Gartens ausführlich besprochen.

Aber Familienurlaub hat seine klaren Vorteile, denn Urlaub mit Freunden ist eine Extremsituation. Der Erwartungsdruck ist hoch. Es soll schließlich die schönste Zeit im Jahr werden, an die man sich noch lange und gerne erinnern will. Doch die Reise mit Freunden birgt Überraschungen.

Während man beim Familienurlaub weiß, dass man lieber nicht mit Papa in einem Zimmer schlafen will, da er furchtbar schnarcht, offenbart sich erst in der ersten Nacht, dass der Zimmernachbar im Schlaf redet.

Aus dem lässigen Freund wird ein ängstlicher Tourist, der aus Angst vor einer Magenverstimmung statt den einheimischen kulinarischen Köstlichkeiten den ganzen Urlaub über nur bei McDonalds isst.

Im Urlaub unter Gleichgesinnten muss die Freundschaft eben eine Menge aushalten. Es ist ein Abenteuer, ein unkalkulierbares Risiko. Es sind zwar die Urlaube, die man durchschnittlich gesehen in besserer Erinnerung hat als die mit den Eltern, aber für den Traumurlaub gibt es trotzdem keine Garantie.

Der Urlaub mit den Eltern ist da schon um einiges kalkulierbarer. Man streitet sich und man verträgt sich wieder, denn es ist und bleibt die Familie und nächstes Jahr fährt man wieder gemeinsam weg.

Bilder: istockphoto.com

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